Blog_Benediktenwand

Samstag, 27. Mai 2018

 

Die Überschreitung der Benediktenwand – Ein Biwakabenteuer

 

Mächtig thront die Benediktenwand in der Isartalebene. Ihre 1.000 m hohe Kalkwand ist schon von weitem sichtbar. Der Blick aus 1.800 m Höhe ist beeindruckend. Wer Glück hat sieht Steinböcke…

Für den Zustieg braucht man jedoch einen langen Atem. Wir starten bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen nachmittags von Benediktbeuern. Der Weg führt uns durch das Lainbachtal auf eine Forststraße und dann in steilen Serpentinen zur Tutzinger Hütte. Nach vier Stunden drückt der vollgepackte Rucksack inzwischen nicht nur auf die Schultern, sondern auch ein bisschen aufs Gemüt. Daher gibt es an der Tutzinger Hütte eine kurze Verschnaufpause und etwas Kühles zu trinken. Stets den wohl bekanntesten Voralpengipfel und unser Ziel des Abends im Blick: die „Benewand“.

Nach der Erfrischung geht es flott weiter, denn der Sonnenuntergang auf 1.800 m muss sein. Wir entscheiden uns für den westseitigen Aufstieg. Nach anderthalb Stunde erreichen wir den mit Alpenblumen verzierten Gipfel.

Wir freuen uns, dass das Gipfelhaus für die Nacht noch „unbewohnt“ ist und werfen unsere schweren Rucksäcke erst einmal in die Ecke.

Wer wandert, der muss auch Essen, so will es das Gesetz. Flott ist unsere Outdoorküche mit dem kompakten PrimeTech Kocherset von Primus aufgebaut, das Wasser kocht in Nullkommanichts und blitzschnell werden die besten Spaghetti mit Pesto serviert, die man je hatte. Mit vollem Bauch genießen wir die untergehende Sonne am Gipfel, die das schroffe Karwendel und grüne Isartal minütig in anderes Licht taucht. Was für ein Rundumblick!

 

Kaum steht der Mond hoch oben am Himmel, liegen wir auch schon in unseren „Betten“.

Um 5.05 Uhr kräht der Hahn und keiner mag so richtig aufstehen. Uns kommt der Gedanke das es ja eh bewölkt sein sollte und sich bestimmt nicht lohnt aufzustehen. Einer von uns wirft dann doch noch einen Blick vor die Tür und sieht die ganze Landschaft in morgendliches Rot getaucht. Sofort krabbeln alle aus Ihren Schlafsäcken, obwohl wir uns etwas gerädert fühlen. Die Nächte am Berg fallen meist kurz und wenig erholsam aus. Wer natürlich nachts von seiner Isomatte rollt und auf dem Holzfußboden schläft, braucht sich auch aber auch nicht wundern. Doch für einen so schönen Sonnenaufgang verzichten wir gerne auf Schlaf.

Nach einem kleinen Frühstück brechen wir auf. Es ist dank früher Stunde noch angenehm kühl und der etwas steilere drahtseilversicherte Abstieg über die Ostseite macht Spaß und hebt die Stimmung. Die Rucksäcke sind inzwischen leichter, denn wir haben fast drei Liter Wasser und ordentlich Essen „verloren“. Wer zügig absteigt, schaut meist auf den Weg, um Stolperstellen rechtzeitig zu erkennen. Und so staunt man nicht schlecht, wenn man den Blick hebt und plötzlich zwei Hörner auf dem Weg stehen.

Während wir vor Freude völlig aus dem Häuschen sind, scheint der Steinbock von unserem Anblick eher gelangweilt. Entspannt läuft er fünf Meter an uns vorbei in die Latschen. Jetzt erst entdecken wir den zweiten. Gespannt schauen wir zu, wie die Steinböcke langsam das Schneefeld queren, auf die Felsen steigen und schließlich aus unserem Blickfeld verschwinden.

Beschwingt gehen wir nach diesem Erlebnis weiter. Plötzlich hören wir Pfiffe und das trappeln von Hufen hinter uns. Erschrocken drehen wir uns um. Eine Gruppe von Steinböcken jagt just in diesem Moment einige Meter an uns vorbei. Fasziniert schauen wir zwei jungen „Streithähnen“ zu, die offenbar beim Kräfte messen für Bergtouristen keinen Blick haben. Sie jagen sich den Felsen hoch, immer wieder krachen ihre Hörner gegeneinander, der Aufprall hallt in den Kalkfelsen wieder. Einem offensichtlich älteren Steinbock scheint das Getöse etwas viel. Entspannt kniet er sich in die Wiese und schaut fressend dem Jungvolk beim Gerangel zu. Was für ein Naturschauspiel! Unbeschreiblich!

 

Langsam und vorsichtig gehen wir voran. Wir wollen einerseits die Steinbockgruppe nicht stören, müssen aber auch aufpassen, nicht von losgetretenen Steinen getroffen zu werden. Wir warten daher ab, bis sich die beiden Steinböcke in Richtung Längental aus unserem Sichtfeld gejagt haben und steigen schweren Herzens weiter ab. Noch ewig hätten wir die Steinböcke weiter beobachten können. Jedoch ist man eben Gast in den Alpen und die Tiere sollten nicht unnötig gestört werden.

Auch wir schlagen den Weg durch das Längental ein. Entlang von Wildbächen, aussichtreichen Kalkfelsen und durch blühende Wiesen führt uns der Weg. Ein Genuss. Nach der Hinteren Längentalalm zieht sich jedoch die breite Forststraße bis nach Lenggries. So sind wir nicht traurig, als wir gegen Mittag am Bahnhof ankommen.

Glücklich sitzen wir in der BOB in Richtung München. Im Gepäck faszinierende Erlebnisse und tolle Eindrücke. Dieses kleine Bergabenteuer gibt uns das Gefühl eine Woche im Urlaub gewesen sein.

 

https://www.outdooractive.com/de/bergtour/toelzer-land/ueberschreitung-der-benediktenwand/6620618/

 

Wer auch durch das Längental absteigen will (schönerer Weg) sollte an der Beschilderung Lenggries / Längental in Richtung Norden abbiegen. Die darstellte Route führt über das Skigebiet Brauneck.